Mit acht Jahren bekam ich zu Weihnachten von meinen Großeltern eine Kamera geschenkt. Eine kleine Kompaktkamera, die nur quadratische Bilder produzierte. Von da an war mein Leben anders.

Ich fotografierte alles. Im Urlaub, im Zoo, oder wenn ich zwischendurch einen Film bekam – was nicht so oft geschah, weil der natürlich von meinen Eltern entwickelt werden musste – nichts war vor mir sicher. Der Kamera folgte irgendwann die nächste, weil die quadratischen Bilder in der Entwicklung sehr teuer waren und meine Eltern wohl einsahen, dass sich die Sache mit dem Fotografieren nicht so schnell erledigen würde. Als ich als Teenager mein erstes Geld verdiente, kaufte ich mir davon am nächsten Tag eine bessere Kamera. Dann irgendwann noch eine bessere. Schließlich stieg ich auf digitales Fotografieren um, kaufte mir erst eine Bridge-Kamera und dann eine Spiegelreflex, und irgendwann eine zweite Spiegelreflex.

Dann stieß mich eine Freundin auf die Lomografie.

London Tube

Nun konnte mich die Lomografie zwar nie so ganz für sich gewinnen, aber sie entfachte ein altes Feuer in mir: Die analoge Fotografie, und eine Liebe für alte und zuweilen auch schlechte Kameras, gerne in Kombination mit abgelaufenen Filmen. Mittlerweile besitze ich nicht nur ein paar Lomo-Plastikkameras, sondern auch eine Yashica Electro aus den 70ern, eine russische Lubitel-Mittelformatkamera aus den 1960ern und die alte Pentax-Spiegelreflex meines Vaters. (Wenn ich das Geld hätte, würde ich die alte Boxkamera aus den 40ern reparieren lassen, die eine Freundin mir mal vom Flohmarkt mitgebracht hat.)

Jetzt gehöre ich nicht zu den Leuten, die digitale Fotografie verteufeln und analoge Fotografie als das einzig Wahre darstellen. Beide Arten haben ihre eindeutigen Vorteile, und je nachdem, was man gerade ablichten will, schlägt eine digitale Spiegelreflex analoge Modelle um Längen. Gerade auf Reisen würde ich mich nie auf eine analoge Kamera alleine verlassen.

Was ich an der analogen Fotografie allerdings mag, ist, dass man selbst bei einer hochwertigen Spiegelreflex mit nicht abgelaufenem Film vorher nie so genau weiß, was man am Ende bekommt. Das fängt beim Motiv an – habe ich das erwischt, was ich wollte? Ist es scharf? Sind die Farben okay? – und hört beim entwickelten Foto auf, wo sich Farben ebenfalls nochmal verschieben können. Ich liebe den Prozess, einen Film abzugeben und ganz altmodisch ein paar Tage drauf zu warten, was schlussendlich wohl auf dem Bild ist, und die Fotos durchzuschauen kaum, dass ich aus der Drogerie oder Fotoladen bin.

Berlin

Berlin

Ich liebe das Gefühl, den Film einzulegen und per Hand vorzuspulen, den Auslöser zu drücken und zu merken, wie sich im Inneren der Kamera die Mechanik in Gang setzt und das Foto auf den Film brennt.

Dazu kommt der leicht “verwaschene” Look analoger Fotos. Im Gegensatz zu digitalen Bildern haben sie mehr Textur, und erreichen in der Regel nicht die gestochene Schärfe digitaler Bilder. Das verleiht dem ganzen einen leicht nostalgischen, manchmal wehmütigen Look, den ich sehr mag.

Ganz auf analoge Fotografie umsteigen werde ich ganz sicher nie, dazu macht mir die digitale Fotografie Spaß, und ich liebe die Möglichkeiten, die diese Art des Knipsens ermöglicht. Aber mit einer alten Yashica oder Lubitel loszuziehen, hat eben seinen ganz eigenen Charme.

Wer die analogie Fotografie wiederentdecken oder sie zum ersten Mal ausprobieren will, sollte das unbedingt tun. Gebrauchte analoge Kameras gibt es in allen Varianten für kleines Geld, und die Drogeriemärkte entwickeln die Filme immer noch munter. Lasst euch auf das Abenteuer ein. Nichts macht so viel Spaß, wie das “Klack” zu hören, wenn die Kamera auslöst, und man den Film weiterspult.

 

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