A Fashionable Indulgence - KJ CharlesAus dem Klappentext: When he learns that he could be the heir to an unexpected fortune, Harry Vane rejects his past as a Radical fighting for government reform and sets about wooing his lovely cousin. But his heart is captured instead by the most beautiful, chic man he’s ever met: the dandy tasked with instructing him in the manners and style of the ton. Harry’s new station demands conformity—and yet the one thing he desires is a taste of the wrong pair of lips.

After witnessing firsthand the horrors of Waterloo, Julius Norreys sought refuge behind the luxurious facade of the upper crust. Now he concerns himself exclusively with the cut of his coat and the quality of his boots. And yet his protégé is so unblemished by cynicism that he inspires the first flare of genuine desire Julius has felt in years. He cannot protect Harry from the worst excesses of society. But together they can withstand the high price of passion.

Eigentlich lese ich ja gerade „Proxy“ von Alex London, aber … tja, aber. Entweder hat da das Lektorat ordentlich geschlampt, oder der Autor beratungsresistent – eins von beiden muss es gewesen sein, und das mindert meinen Enthusiasmus deutlich. Mehr dazu, wenn ich das Buch ausgelesen habe. Weil mir das Buch so viel Frust bereitet, beschloss ich vor ein paar Tagen, zwischendurch auf ein anderes Buch auszuweichen. Und was bietet sich für ein paar Stunden Ablenkung am besten an? Genau, ein historischer Liebesroman.

Was mir an „A Fashionable Indulgence“ besonders gut gefallen hat, ist, dass sich der Roman so vergleichsweise „echt“ anfühlt. Homosexualität war im neunzehnten Jahrhundert nicht nur höchst verwerflich, sondern wurde bis 1861 sogar mit dem Tod bestraft. Welch einen Druck das auf die Betroffenen ausgeübt haben muss, wird in vielen M/M-Romanen, die in dieser Zeit spielen, leider oft dem Fluff zuliebe unter den Teppich gekehrt. Klar, so ganz historisch korrekt sind die Bücher alle nicht, wir reden hier ja von einer verklärten „Fantasy-Regency“, aber trotzdem … schön, wenn das Thema zur Abwechslung so einen großen Teil im Buch ausmacht.

Julius und Harry wissen, dass sie mit ihrer Zuneigung für einander in stetiger Gefahr schweben.  Sie wissen auch, dass ihre Liason ein Spiel auf Zeit ist, denn spätestens wenn Harry heiratet, und das wird er müssen als Gentleman, werden sich die beiden nicht mehr sehen können.  Alles in Julius‘ Leben ist darauf ausgerichtet, seiner sexuellen Neigung unbehelligt nachgehen zu können. So logieren seine Diener zum Beispiel nicht im selben Haus, damit Julius nächtliche Besucher empfangen kann.  Alles steht und fällt mit der Diskretion der Beteiligten.

Auch die Dynamik in Harrys Freundeskreis hat mir in „A Fashionable Indulgence“ gut gefallen.  Die Ricardians, wie sich sich nennen, sind eine kleine Gruppe homosexueller Männer, die unter dem Schutz von Lord Richard stehen, und sich mit den Privatquatieren in einer Spielhölle ein Stückchen Freiheit geschaffen haben. Hier kommen die Mitglieder zusammen, um sich auszutuaschen, einander zu helfen, und die Räumlichkeiten für Schäferstündchen zu nutzen. Doch auch die Welt im Club ist zerbrechlich, und ein falsches Wort oder ein zu lauter Streit kann unerwünschte Aufmerksamkeit – und gefährliche Folgen – nach sich ziehen. Die Ricardians könnten verschiedener nicht sein, wahrscheinlich wären die meisten Mitglieder unter normalen Umständen nicht mal miteinander befreundet. Ihr gemeinsamer Nenner ist ihre Homsexualität, ihre Freundschaft in vielen Belangen eine Zweckfreundschaft. Alle wissen, dass sie jederzeit auffliegen können. Diese Darstellung fand ich sehr erfrischend, weil sie wesentlich glaubhafter schien als ein „… und dann kauften wir ein Haus auf dem Land und nahmen ein Waisenkind auf, und lebten glücklich bis ans Ende aller Tage“. Natürlich gibt es wie in jedem guten Liebesroman ein Happy End – dafür liest man die schließlich -, aber es fühlte sich nicht zu weit aufgeblasen an. Was ich toll fand.

Davon ab war die Handlung gut, die Figuren interessant und die Schreibe wie gewohnt einwandfrei. (Ich möchte an dieser Stelle einen pointierten Blick auf Alex London werfen, vielen Dank). Die anderen Romane aus der Reihe will ich definitiv auch noch lesen … sobald mein SuB noch ein wenig geschrumpft ist.

Und weil nichts so schön einen Post abschließt wie eine Statistik:

Gelesene Bücher: 4

Noch zu lesen: 26

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