Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass ich Fashion liebe. Und das, wo ich den Großteil meiner Teenager-Jahre damit verbracht habe, imaginäre Modelinien zu entwerfen und noch heute einen ganzen Schuber voll mit selbstgemalten Kleider-Designs für Titanic besitze. Was soll ich sagen, ich habe eine Schwäche für schöne Dinge.

Irgendwie herrscht ja immer noch die Meinung vor, dass Frauen entweder klug sein oder sich für Fashion interessieren können. Beides zusammen ist geradezu undenkbar und kommt einer Revolution gleich.  Glaubt ihr nicht? Wieviele Frauenfiguren in Hollywood-Filmen kennt ihr, die offen dazu stehen, gerne schicke Klamotten zu tragen und dabei auch noch klug und erfolgreich sind, und nicht als oberflächliche Zicke gelten? Die kann man praktisch an einer Hand abzählen. Aber ich schweife ab.

Also, nachdem ich mir dann eingestanden hatte, dass ich nicht direkt oberflächlich bin, nur weil ich gerne schöne Kleider trage, dauerte es auch nicht lang bis ich beschloss, meinen Teenager-Traum zu erfüllen und … nein, nicht weitere Kleider für Rose DeWitt-Bukater zu entwerfen (I wish), sondern Nähen zu lernen. Da bin ich aktuell im Autodidakt-Modus dran, und robbe mich Schritt um Schritt an tatsächlich tragbare Kleidung ran. Ich hab zwar schon ein Mittelalterkleid genäht, und eine Chemise a la Reine von 1790, aber für den alltäglichen Gebrauch sind die ja leider, leider eher … nicht so wirklich tragbar. (Ich wiederhole: I wish.) Während meine Kollektion an historischen Schnittmustern anfängt, die Ausmaße meiner Kollektion an ungelesenen Romanen anzunehmen, besitze ich tatsächlich wenig Schnittmuster, aus denen ich was für den Alltag zaubern könnte. (Hey, vielleicht wäre eine „50 Wochen, 10 Schnittmuster“-Challenge ja auch mal was.)

Auftritt der Simplicity-Sale letzte Woche, bei dem ich die obigen Schnittmuster erstanden habe. Das Schnittmuster ganz links steht schon seit Jahren auf meinem Wunschzettel, war aber die letzten Male beim Sale recht schnell ausverkauft. Diesmal hatte ich Glück. Und weil ich nicht das Bücherfräulein wäre, wenn nicht alles in meinem Leben einen leichten Flair von Vintage hätte, sind die erstandenen Schnittmuster im Retro-Look. Alles andere könnte ich ja auch bei H&M kaufen.

Ich kann’s kaum erwarten, die Schnittmuster auszuprobieren und meinen riesigen Stoffberg etwas schrumpfen zu lassen- vielleicht wäre die Nähchallenge echt keine dumme Idee – aber eigentlich müsste ich erst eine neue Tasche für meine Dungeons & Dragons-Utensilien nähen, damit ich endlich alles bequem mitnehmen kann.  (Ja, man braucht zehn verschiedene Würfel-Sets, warum fragt ihr?) Aber im Vergleich zu den Schönheiten da oben ist das Nähen einer Tasche voll öde, menno.  Was mach ich denn jetzt?

Hat von euch schon jemand die Schnittmuster oben ausprobiert?

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