(c) das Bücherfräulein

Vor ein paar Tagen bekam ich eine Nachricht auf mein Handy: Hast du schon die Kelly-Tourdaten gesehen?

Die Fragende war einer meiner ältesten Freundinnen, die ich damals als Teenie in der Hochphase meines Kelly-Fan-Daseins über eine andere Brieffreundin kennengelernt hatte. Sie wohnte damals schon am anderen Ende von Deutschland, was unserer Freundschaft aber keinen Abbruch tat. Kelly-Videos konnte man schließlich auch am Telefon synchron gucken, wenn man das mit dem Timing richtig raus hatte (wir hatten es zum Schluss perfektioniert).

Mittlerweile hat meine Freundin eine eigene entzückende Familie, und wie das so ist im Leben, irgendwann wird der Kontakt weniger. Prioritäten verschieben sich, Leute heiraten, ziehen weg, gehen in den Beruf. Sie und ich blieben befreundet, wenngleich wir auch nicht mehr fast täglich telefonierten. Mitunter hörten wir Monate nichts voneinander. Was uns aber grundsätzlich immer, wirklich immer wieder zusammenbrachte, waren die Kellys.

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Wahrscheinlich nimmt die Kelly Family nicht zuletzt deswegen noch immer so einen großen Platz in meinem Herzen ein. Mein Musikgeschmack zumindest hat sich ordentlich gewandelt in den letzten Jahren – was nicht heißt, dass ich nicht noch immer jedes verdammte Lied mitsingen und die Hälfte davon noch auf Gitarre spielen kann. Mein Gehirn und ich führen eine Beziehung voller Missverständnisse.

Während den Kelly-Fans ja von den Medien mit nicht abebbendem Enthusiasmus pauschal unterstellt wurde, vereinsamte Scheidungskinder zu sein, die sich nach der heilen Welt sehnten, mochte ich die Kellys damals wie heute, weil sie so anders waren. Mit ihren Flohmarktklamotten, ihrer Lebensweise und ihrer Musik, in der es nicht immer nur um Liebe und Liebeskummer ging. Ich hatte schon immer eine Schwäche für Andersdenker, scheint es.

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Wegen den Kellys, die ja in sehr vielem Autodidakten sind, begann ich mit dem Gitarre spielen, obwohl meine Eltern mich als unmusikalisch abgestempelt hatten. Ohne die Kellys hätte ich vermutlich nie mit dem Musizieren, dem Singen und dem Songwriting angefangen. Ein Hobby, das mir unendlich viel Freude bereitet. Und ohne dieses Hobby wiederum hätte ich nie all die vielen anderen wunderbare Menschen kennengelernt, die heute zu meinen engsten und besten Freunden zählen. Allein dafür werde ich der Kelly Family immer dankbar sein. (Ich habe mir oft gewünscht, ihnen das einmal persönlich sagen zu können. Also, falls einer von euch das liest – Dankeschön!)

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Meine Freundin und ich also, selbst wenn wir uns ein halbes Jahr lang nicht gesprochen haben, finden grundsätzlich immer dann zusammen, wenn es Neuigkeiten von den Kellys gibt. Wir waren zusammen bei der Roncalli-Tournee, wir waren auf dem Kennedyplatz in Essen, wir waren bei dem Open-Air-Konzert in Dortmund, wir waren auf einem Solokonzert von Paddy, wir hatten Tickets für die Weihnachtstournee vor ein paar Jahren. Und obwohl wir uns zwischendurch immer mal wieder sehen und immer für einander da sind, wenn wir losziehen und auf ein Kelly-Konzert gehen, ist das immer etwas Besonderes.

Deswegen war die Antwort auf die Frage Hast du schon die Kelly-Tourdaten gesehen auch nicht Willst du hingehen? sondern Wer von uns kauft die Tickets?

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