Proxy - Alex London

Aus dem Klappentext: Syd’s life is not his own. As a proxy he must to pay for someone else’s crimes. When his patron Knox crashes a car and kills someone, Syd is branded and sentenced to death. The boys realize the only way to beat the system is to save each other so they flee. The ensuing cross-country chase will uncover a secret society of rebels, test the boys‘ resolve, and shine a blinding light onto a world of those who owe and those who pay.

Ich bin sowas von zwiegespalten bei diesem Buch. Auf der einen Seite sind die Grundidee und das Worldbuilding einfach großartig. Dass der Autor Amerikaner ist, merkt man der Prämisse des Buches deutlich an –immerhin müssen sich die meisten Studenten in den USA hoch verschulden, um überhaupt zur Uni gehen zu können, und praktisch jeder hat mindestens eine Kreditkarte zur Verfügung. Gleichzeitig sind Kosten für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte sehr teuer.

„Proxy“ treibt das alles auf die Spitze und macht daraus ein dystopisches Szenario, das weitaus näher an der Realität liegt, als man vielleicht wahrhaben möchte. In Syds Welt ist für die Armen praktisch alles unerschwinglich. Ihre Schulden werden von den Reichen bezahlt, im Gegenzug müssen die Armen als Sündenböcke herhalten. Klingt logisch, oder?

Die Prämisse von „Proxy“ ist fantastisch, auch die Handlung ist spannend und solide, die Figuren interessant und das Ende hat mich tatsächlich überrascht. Gut gefallen hat mir auch, dass Syd ein schwarzer, homosexueller Jugendlicher ist, das aber für die Handlung ohne wirklichen Belang bleibt. Stichwort Diversity und so. Eigentlich müsste alles so schön sein.

Aber, und jetzt kommt das große ABER: Die erste Lektion, die man als Autor lernt, ist folgende: Entscheide, welche Figur dein Perspektivträger ist, und dann bleib bei ihr – für das ganze Buch, für ein Kapitel, für eine Szene. Aber wechsle niemals, niemals mitten im Geschehen deinen Point of View. Hörst du? Niemals. (Außer du bist Charles Dickens und ein allwissender Erzähler, aber das hier ist nicht 1850, und du bist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht Charles Dickens.)

Genau das tut Alex London aber ständig. Beim ersten Mal hab ich gedacht, dass es ein Ausrutscher im Lektorat gewesen wäre, schließlich ist Irren menschlich, aber dieses ständige Herumgespringe in die Perspektivträger zieht sich durch das ganze Buch. Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern auch total verwirrend, weil man mitunter nicht weiß, wer da jetzt eigentlich gerade erzählt. Noch lustiger wird es, als schließlich eine dritte Hauptfigur dazu stößt. Hat da jemand beim Lektorat geschlafen?

Mir hat das über weite Strecken das Lesen echt schwierig gemacht, weil ich jedes Mal drüber gestolpert bin. Geärgert hat es mich noch dazu, weil ich wirklich alles andere an dem Buch mochte.

Und jetzt? Kaufe ich die Fortsetzung? Ich hadere noch mit mir.

Auf der einen Seite will ich wissen, wie es mit den Figuren und der Welt weitergeht. Aber will ich mich nochmal 380 Seiten lang ärgern?

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