Aus dem deutschen Klappentext: Britannien im dritten Jahrhundert: Roms Macht ist im Sinken begriffen. Ausgerechnet da erfahren die beiden jungen Römer Justin und Flavius von einer Verschwörung gegen den Kaiser. Sie warnen ihn, werden aber weggeschickt. Und dann geschieht das Unglück: Der Kaiser wird ermordet. Nun liegt es in den Händen von Justin und Flavius, im Untergrund die römische Macht in Britannien wieder zu festigen.

Als erstes sollte man nicht den Fehler machen und glauben, bei Sutcliffs Trilogie im römischen Britannien handle es sich um eine einzige, zusammenhängende Geschichte. „The Silver Branch“ spielt ungefähr hundert Jahre nach „The Eagle of the Ninth“, was aber gar nicht schlimm ist, weil jedes Buch einen Einblick in eine andere zeitliche Epoche gewährt. Wie schon beim Vorgänger nimmt sich die Autorin ein historisch verbürgtes Ereignis und spinnt ihre eigene Geschichte drum herum. So viel erstmal dazu.

Ich will ehrlich sein, ich hab mich etwas schwer getan mit dem Buch und ich weiß nicht genau, woran es liegt. Vielleicht daran, dass sich die Geschichte für mich eher wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen las und mir irgendwie der rote Faden fehlte. Man merkt eben hin und wieder schon sehr deutlich, dass das Buch aus dem Jahr 1957 stammt, denn es liest sich ein wenig, tja, altmodisch. Und zwar nicht auf die heimelige Erich Kästner-Art, sondern eben wie ein Jugendbuch aus den späten 1950ern. Ich glaube, heutzutage würde das Manuskript so kein Lektorat überstehen, vor allem nicht Rosemary Sutcliffs Erzählstimme – sie schreibt zum Beispiel zwar eigentlich aus Justins Sicht, wechselt dann aber immer wieder in den auktorialen Modus und sagt so Sachen wie „Der arme Justin!“ Wenn man selbst Bücher schreibt, wird man da irgendwann unendlich pingelig. Als wenn eine Alarmglocke schrillt. „Wir haben einen Wechsel im Point of View! Ich wiederhole, wir haben ein Wechsel im Point of View!“ Aber ich schweife ab.

Ich glaube am meisten irritiert hat mich die Tatsache, dass Marcus aus „The Eagle of the Ninth“ laut seines Ur-Irgendwas-Enkels irgendwann geheiratet und sich in Britannien niedergelassen hat. Wo wir doch spätestens seit der Verfilmung wissen, dass Marcus und Esca nach der Wiederbeschaffung des Adlers im römischen Reich wie in einer Buddy-Cop-Show Kriminalfälle lösen.

Gott, ich würde diese Serie bis ans Ende aller Tage gucken. CSI: Britannien, 2. Jhdt. n. Chr. „Schau, an dem Zaun hängt weißes Rosshaar, wir haben aber nur braune Pferde! Hier muss ein Mord geschehen sein!“ Ach, seufz. Zur Not würde das auch sicherlich mit Justin und Flavius aus „The Silver Branch“ gehen. Ich meine ja nur, falls jemand mitliest, der meine Träume Wirklichkeit werden lassen kann.

Zurück zum Roman: Auch wenn das Buch mich nicht total mitgerissen hat, hat es doch Spaß gemacht, in das römische Britannien zurückzukehren und Marcus‘ und Escas Nachfahren kennenzulernen. Denn auf jeden Fall ist der Roman unglaublich gut recherchiert, hat sympathische Hauptfiguren und taugt prima für einen Ausflug in ein Land im Umbruch. Schön finde ich auch, wie sie den Bogen schlägt und erklärt, wie der in Silchester entdeckte Adler mit in die Geschichte gehört.

Als nächstes brauche ich aber wirklich etwas zu lesen, das zeitlich ein wenig näher am 21. Jahrhundert liegt, und wo niemand Sandalen trägt.

Die bisherige Bilanz:

Gelesene Bücher: 2

Noch zu lesen: 28

Läuft.

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