Unraveled - Courtney Milan

Smite Turner is renowned for his single-minded devotion to his duty as a magistrate. But behind his relentless focus lies not only a determination to do what is right, but the haunting secrets of his past—secrets that he is determined to hide, even if it means keeping everyone else at arm’s length. Until the day an irresistible woman shows up as a witness in his courtroom.

Miranda Darling isn’t in trouble—yet. But she’s close enough that when Turner threatens her with imprisonment if she puts one foot wrong, she knows she should run in the other direction. And yet no matter how forbidding the man seems on the outside, she can’t bring herself to leave. Instead, when he tries to push her away, she pushes right back—straight through his famous self-control, and into the heart of the passion that he has long hidden away.

Letztens brauchte ich aus diversen Gründe Comfort Food in Form von Lesestoff (das macht total Sinn, ehrlich). Irgendwas mit einem gut lesbaren Stil, wunderbaren Figuren, einer ordentlichen Portion Feels und einem garantiertem Happy End. “Perfekt”, dachte ich. “Ich muss wieder Courtney Milan lesen.” Und dann fiel mir ein, dass es da ja noch die Turner-Brüder gibt, und ich nach “Unveiled” brav geblieben war und mir die anderen Bücher nicht gekauft hatte.

“Unraveled” ist der dritte Band der Reihe, den zweiten – “Unclaimed” – habe ich vorläufig übersprungen, weil ich einen emotionalen Fix brauchte und mich Smite mehr interessierte als sein Bruder Mark. Aber den zweiten Band werde ich früher oder später nachholen. Dass da jetzt bei mir in der Mitte so eine Lücke klafft, gefällt mir ja selbst nicht.

Wie auch “Unveiled” erschien “Unraveled” noch bei Mills & Boon, bevor Milan ins Self-Publishing wechselte, und darum wirkt “Unraveled” an einigen Stellen auch noch etwas klischeehafter als die späteren Reihen. (In erster Linie merkt man das daran, dass Milan wohl eine Bettszenen-Quote zu erfüllen hatte.)  Die Figuren sind noch etwas gefälliger und konformer angelegt, wobei Milan wunderbar den Spagat schafft, ihren Helden “tall, dark and handsome” zu machen ohne, dass Smite zu einem völligen, excuse my French, Arschloch verkommt.

Zwar ist Smite in bester Gothic-Manier schroff, selbstbeherrscht und abweisend, verhält sich der (extrem coolen) Heldin gegenüber aber nie bevormundend, oder manipulierend. Seine Persönlichkeit erklärt sich aus seiner wirklich traumatischen Kindheit, die bei ihm so nachhallt, dass er seine Emotionslosigkeit als Schutzmechanismus braucht, um nicht völlig auseinanderzufallen. Schön an “Unraveled” ist dabei, dass er sich durch die Beziehung mit Miranda zwar öffnet und verändert, sie aber nicht auf magische Art und Weise seine Traumata heilt, oder ihn auf die ein oder andere  Art “ganz macht”. Miranda akzeptiert Smite wie er ist, mit all seinen Schwächen.

Miranda ist ihrerseits eine wunderbar eigenständige Figur, deren Probleme sich sehr schön in denen von Smite spiegeln. Vor allem ist sie nicht dumm – und da ich nicht spoilern will, kann ich kaum mehr dazu sagen. Nur so viel: Es gibt einen Punkt im Buch, an dem ich die Augen verdrehte und mich innerlich auf den abgedroschensten aller Handlungsstränge vorbereitete, und dann kam alles ganz anders. Weil Milan eben, wie erwähnt, Klischees jeder Art wirklich gekonnt umschifft.

Praktisch nebenher erzählt Courtney Milan auch noch die berührende Geschichte, wie Smite und sein älterer Bruder Ash, die beide um die Liebe des Nesthäkchens Mark buhlen, sich langsam wieder zusammenraufen. Besonders gut gefiel hier die Dynamik zwischen Smite und Ash, und Smite und Mark. Während Mark und Smite ein recht herzliches Verhältnis zueinander pflegen und Mark nie etwas auf Smite kommen lassen würde, ist das Verhältnis zwischen Smite und Ash aus verschiedenen Gründen angespannt. Klar ist aber dabei immer, dass Smite seinen älteren Bruder liebt. Sie haben sich nur sehr auseinander gelebt und müssen lernen, einander zu vergeben und zu verstehen, was gerade zum Ende des Buches zu einigen sehr schönen Momenten führt.

Am Ende, sozusagen als Kirsche oben drauf, löst sich sogar noch die Fehde zwischen Smite und seinem Jugendfreund/Feind Richard Dalrymple auf, und zwar auf eine erfrischend unerwartete Art und Weise, die mich hat wünschen lassen, Milan würde Richard sein eigenes Buch gönnen. Das ist das tolle an Milans Büchern: Den wirklichen Bösewicht gibt es nicht. Milan schreibt über Figuren, nie über austauschbare Scherenschnitte.

Das alles ist verpackt in einen wunderbar lesbaren Stil und fetzige Dialoge, also allem, was das Comfort Food-benötigende Herz so braucht… und vielleicht kaufe ich mir jetzt doch einfach Teil 2. Für das nächste Mal, wenn die Welt draußen doof ist und ich einfach ein garantiertes Happy End brauche.

 

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