Malen wäre so schön,  wenn die dumme Aufbauerei nicht wäre. Zumindest ist das bei mir der ausschlaggebende Grund, warum ich seit meiner Berufstätigkeit wesentlich seltener zu Pinsel und Farben greife. Malunterlage, Pinsel rausholen, Wasserbecher, alles gut erreichbar platzieren – es dauert schon, bis man endlich loslegen kann. Und das Aufräumen danach erst! Für schnell zwischendurch ist das nichts, zumindest, wenn man kein eigenes Atelier besitzt, wo alles auch mal ein paar Tage stehenbleiben kann.

Zum Geburtstag bekam ich von einer guten Freundin letztes Jahr einen Wasserpinsel geschenkt, den ich nun, nachdem er lange in meiner Kunstkiste lag, zum ersten Mal ausprobiert habe. Leute, ein klein wenig verliebt bin ich schon.

Man muss sich das so vorstellen: Der Pinsel hat einen eigenen Wassertank im Griff, den man nach Bedarf auffüllen kann, und der die Pinselspitze mit Wasser versorgt. Das ständige Befeuchten und Reinigen des Pinsels im Wasserbecher entfällt, weil sich das alles über den Wassertank regeln lässt. Eignen tun sich die Pinsel für alle Medien, die wasserlöslich sind – von Aquarell bis zu Kalligrafiestiften. Für unterwegs oder zwischendurch ist das unendlich praktisch.

Wasserpinsel gibt es mittlerweile für kleines Geld in vielen verschiedenen Varianten. Und da kommen wir schon zum Knackpunkt: Was können diese Pinsel wirklich?

Die Wasserpinsel gibt es zwar in unterschiedlichen Stärken, aber nicht in wirklich verschiedenen Formen. Die Pinselspitze ist, in der Regel, gleich. Auch bleibt qualitativ natürlich Luft nach oben, wenn man bedenkt, dass ein guter Aquarellpinsel bei 10Euro anfängt, und je nach Material auch mal 40Euro kosten kann.  Zudem wird der kurze Wasserpinsel wie ein Stift gehalten, während „richtige“ Pinsel mitunter sehr lange Stiele haben, was zum Beispiel das Arbeiten an sehr großen Bildern ermöglicht.

Ich besitze mittlerweile einen Wasserpinsel der Marke Pentel und zwei von Koi, und das Malen macht mir damit sehr viel Spaß. Ich liebe die Freiheiten, die diese Pinsel mir geben, weil ich selbst nach der Arbeit noch ein kleines Aquarell malen kann, ohne direkt in große Umbauarbeiten ausbrechen zu müssen. Die Stifte liegen gut in der Hand und funktionieren einwandfrei, verteilen die Farbe schön und sind genügsam im Wasserverbrauch.

Allerdings sind die Möglichkeiten, was Textur und Fläche angeht, doch begrenzt; ein größeres Landschaftsbild würde ich damit nicht malen wollen. Das wäre mir zu aufwendig mit dem kleinen Pinsel, und, tja, seien wir ehrlich … zu langweilig im Bild selbst. (Die verschiedenen Pinselformen gibt es schließlich nicht umsonst.) Für kleinere Formate und zum Skizzieren für zwischendurch sind die Wasserpinsel allerdings fantastisch. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Aquarell-Postkarten gemalt, einfach, weil es geht. Weil es mit den Wasserpinseln so denkbar leicht ist. (Und, mal im ernst, weil sich das kleine Format wunderbar zum Ausprobieren eignet. Ich bin ja viel zu geizig, um einen großen Bogen Aquarell-Papier für Kokolores zu verschwenden.)

Wunderbar, und dafür sind sie nicht zuletzt auch gedacht, eignen sich die Wasserpinsel übrigens für Kalligrafiearbeiten. Allein schon, weil sie sich wie Stifte halten lassen und, für chronische Tollpatsche wie mich nicht zu unterschätzen, weniger Gefahr besteht, auf dem Weg vom Wasserbecher irgendwo auf dem Bild zu klecksen.

Als nächstes will ich mir ein Skizzenbuch mit Aquarell-Papier besorgen, und mal in die Natur gehen, malen. Bisher war mir das wegen dem „Wie kriege ich einen Wasserbecher heil bis in den Park“-Problem zu heikel, aber ab sofort gibt es diese Schwierigkeiten ja nicht mehr.

Lust, auch mal wieder ein aufwendigeres Bild zu malen, so mit richtigem Aufbauen der Utensilien vorab, hab ich zudem auch bekommen. Win/Win, sozusagen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Habt ihr die Wasserpinsel schon ausprobiert, oder andere Geheimtipps für mich?

 

Merken

Share: